

Prävention:
Die Gewalt unter Kindern und
Jugendlichen nimmt zu. Hilfe bieten
Kurse
zur Gewaltprävention an Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen.
Unser oberstes Ziel: Selbstbewusstsein schaffen. In Rollenspielen üben die
Kinder deshalb typische Konfliktsituationen zu lösen. Das gibt ihnen Sicherheit;
sie verlieren die Angst und lernen Zivilcourage, indem sie Konflikte bewusst
deeskalieren.
Spaß ist dabei ein Schlüssel zum
Erfolg. Denn Kinder lernen schneller, wenn sie in einer freundlichen Atmosphäre
spielerisch an ernste Themen wie Gewaltvermeidung herangeführt werden.
Gewalt:
„Oft ist Gewalt sehr viel
subtiler, als wir sie wahrnehmen. Nicht an jeder Schule werden Jugendliche mit
Messern bedroht oder Kinder erpresst.
Fast überall gibt es aber den "stillen Außenseiter" oder "Klassentrottel", der
gehänselt, bedroht oder sogar angegriffen wird.
Diese Kinder verlieren die Lust am Unterricht, im schlimmsten Fall am Leben, die
Noten verschlechtern sich.
Hier sollte man ansetzen und den Kindern erklären, dass Gewalt ‚uncool‘ ist.“
Was die Politik nicht so gerne hört:
Jugendkriminalität gibt es in allen sozialen Schichten. Entscheidend sind drei Faktoren:
1. Die
Erfahrung innerfamiliärer Gewalt
Wer durch seine Eltern massive Schläge und Misshandlungen erlebt hat, wird
erheblich häufiger selbst gewalttätig als nicht geschlagene junge Menschen. Fast
jeder 6. der Befragten in einer großen Schülerstudie ist 1997 Opfer massiver
elterlicher Gewalt geworden. Die von Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfe
betroffenen Eltern misshandeln ihre Kinder mehr als doppelt so oft. Große
Unterschiede ergeben sich im Vergleich zu ethnischen Gruppen: Das eine Extrem
bilden türkische Jugendliche, von denen 1997 fast 20 % Opfer einer elterlichen
Misshandlung wurde. Auf der anderen Seite einheimische deutsche Jugendliche mit
einer Opferrate von etwa 6%. Solche Gewalterfahrungen erhöhen die
Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass die betroffenen Jugendlichen selbst Gewalt
ausüben.
2. Gravierende soziale Benachteiligung der Familie
Eine besondere Problemgruppe sind junge Ausländer und Aussiedler, die seit
langem unter den Rahmenbedingungen sozialer Benachteiligung aufwachsen. Junge
Zuwanderer, die seit mindestens 5 Jahren in Deutschland leben oder hier geboren
sind, haben in Befragungen 2-3mal mehr Gewalttaten zugegeben, als einheimische
Deutsche oder solche jungen Ausländer und Übersiedler, die erst seit wenigen
Jahren in Deutschland leben. Junge Migranten sind offenbar eine Zeitlang bereit,
anfängliche Eingliederungsprobleme als unvermeidbar hinzunehmen. Wenn sich
daraus jedoch dauerhaft soziale Nachteile ergeben, wächst unter ihnen im Laufe
der Jahre die Tendenz, sich zu strafaufälligen Gruppen zusammenzuschließen. Sie
haben gewissermaßen „deutsche Ansprüche“ entwickelt, denen keine „deutsche
Chancen“ gegenüberstehen.
3. Schlechte Zukunftschancen des Jugendlichen aufgrund eines niedrigen
Bildungsniveaus
Vier Fünftel der gewalttätigen Jugendlichen und Heranwachsenden sind
sozialen Randgruppen zuzuordnen. So hat sich unter den jungen Angeklagten, die
nicht mehr Schüler sind, der Anteil der Arbeitslosen im Verlauf von sechs Jahren
von 38% auf 60% erhöht. Mehr als drei Viertel der jungen Gewalttäter weist ein
niedriges Bildungsniveau auf (maximal Hauptschulabschluss), das ihnen im
Berufsleben nur schlechte Perspektiven eröffnet. Vergleicht man für die
verschiedenen ethnischen Gruppen die Zahl der berichteten Gewaltdelikte pro 100
Jugendliche, dann liegt sie für solche 14-18 Jährige, die die Sonderschulen,
Hauptschulen oder das Berufsgrundschuljahr besuchen, durchweg um das Drei- bis
Vierfache über den Vergleichszahlen der Gymnasiasten. Offenkundig tragen die
wachsenden sozialen Gegensätze erheblich dazu bei, dass besonders diejenigen
Gewaltdelikte begehen, die wenig Chancen dafür sehen, den Satz „Jeder ist seines
Glückes Schmied“ für sich zu realisieren.
Von den einheimischen deutschen Jugendlichen wachsen etwa 77% in der
privilegierten Situation auf, dass sie von keinem der drei Merkmale betroffen
sind. Das heißt, sie besuchen mindestens die Realschule, ihre Eltern sind weder
Sozialhilfeempfänger noch arbeitslos und sie sind von innerfamiliärer Gewalt
verschont geblieben. Das andere Extrem stellen die türkischen Jugendlichen dar,
die nur zu etwa 22% unter derart priviligierten Bedingungen aufwachsen. Am
höchsten sind die türkischen Jugendlichen und solche aus dem ehemaligen
Jugoslawien belastet.
Weitere
Motive:
Zunehmende Verarmung
Schließung von Jugendeinrichtungen
Gruppenzwang
Egoismus
Integrierende Lebens- und Gesellschaftsbereiche wie Kirchen, Vereine,
Gewerkschaften, auch Parteinen verlieren ihre bindende Solidarität und
Verantwortung schaffende Kraft für das private und soziale Leben. Die Folge: ein
Übermaß an Individualismus - genauer; Egoismus! Unsere Gesellschaft bewegt sich
zurück in den Naturzustand der Wolfsgesellschaft: Der Stärkere gewinnt !
Quelle: OB Norbert BURGER (Köln) in Jugendgewalt und -kriminalität, GdP, 1997,
S. 35
* Langeweile
Die Suche nach Anerkennung in der Clique, Langeweile und Lust auf Action spielen
offensichtlich einen größere Rolle, als der Drang sich zu bereichern. Manchmal
ist es schlicht die Suche nach dem Nervenkitzel oder der Reiz des Verbotenen.
Quelle: Rainer BODE in Jugendgewalt und -kriminalität, GdP, 1997, S. 17
* Schlüsselkinder
In vielen Familien ist mindestens ein Elternteil arbeitslos. Sehr viele Familien
leben von der Sozialhilfe. Auffällig viele „Klienten“ sind Scheidungskinder.
Quelle: Rainer BODE in Jugendgewalt und -kriminalität, GdP, 1997, S. 17
* Konsumdruck„Haste was, biste was - Haste nichts, biste nichts! Nimmste was,
dann haste was!“
Tatmotiv: Geld. Junge Menschen in materieller Not müssen frustriert erleben, wie
Gleichaltrige ihre Konsumbedürfnisse ausleben. Wer jung und bereits arbeitslos
geworden ist, kann sich meist nur eine Weile anspornen, um diesen Riss in seiner
Biografie zu kitten. Spätestens nach einem Jahr, so die Erfahrung von
Sozialarbeitern, kippt die Stimmung. Dann beginnt die große Mutlosigkeit.
Quelle: Prof. Christian PEIFFER, kriminolog. Forschungsinstitut Niedersachsen in
Jugendgewalt und -kriminalität, GdP, 1997, S. 39
* Adrenalin-Schub (Kick)
Die Ursachen für spätere Einstellungen und Verhaltensweisen werden in den Jahren
der frühen Kindheit angelegt und (nahezu irreversibel) ausgeprägt. Friedliche
oder gewalttätige Handlungsmuster werden hier fixiert, durch spätere
Gewohnheiten verstärkt und bedürfen dann schließlich nur geringfügiger Auslöser
um manifestiert zu werden - positiv oder negativ.
Gerade nach Amoktaten wie Winnenden usw. versinket die Politik in reinen Populismus!
Es ist natürlich erheblich billiger neue Gesetze zur Ausgrenzung von Sportschützen und oder Computerspielern zu verabschieden, als dafür zu sorgen, daß der Bildungsetat erheblich aufgestockt wird oder zum Beispiel wie nach Winnenden versprochen mehr Pyschologen und Sozialarbeiter für die Schulen zur Verfügung zu stehen.
